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Around the World Tour 2009
von und mit Heinrich Cordes
Hintergrund:
Heinrich Cordes ist Mooniac und natürlich EMPOA-Mitglied! Sogar eines unserer Gründungsmitglieder! Als leidenschaftlicher Pilot hat er sich entschlossen, zusammen mit seiner Lebensgefährtin Karin einen großen Traum zu erfüllen und wollte mit seiner Mooney TLS (D-EHCQ) eine Reise um die ganze Welt antreten. Bernd und Thomas Hamacher haben ihn während seiner intensiven Vorbereitungen der letzten Wochen an dem wunderschönen Flugplatz Damme (EDWC) erlebt. Wir mussten miterleben wie Heinrich ein großer Rückschlag ereilte, als beim finalen Check seiner Maschine in der Werft eine Woche vor der Abreise festgestellt wurde, daß der Ölfilter Stahlspähne enthielt und deswegen der Motor ausgetauscht werden müsse. Innerhalb der extrem kurzen Zeitspanne natürlich nicht machbar. Heinrich wollte sich jedoch diese Reise unter keinen Umständen entgehen lassen und nach vielerlei unterschiedlichen Überlegungen, wie man diese Situation nun lösen könnte, entschied er sich kurzer Hand, den Flug mit einem anderen Flugzeug durchzuführen. Nun sind Heinrich und Karin gezwungener Maßen mit einer Cessna 210P (D-EKBK) unterwegs.
An dieser Stelle möchten wir nun seine Reiseberichte aufnehmen und jeder Mooniac ist herzlich eingeladen den Verlauf dieser spannenden Reise um die Welt mitzuverfolgen. Weitere Informationen können auch auf der Homepage seiner Heimatbasis - des Flugplatzes Dammes - entnommen werden. |
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Von Klaus-Peter Lammert, Damme - In Jules Vernes Reise um die Erde braucht Phileas Fogg
genau 80 Tage, um den Globus einmal zu umrunden. Hermann Cordes, einer der Gesellschafter
der Gesellschaft Verkehrslandeplatz Damme, gönnt sich dafür gerade mal rund fünf Wochen, exakt
37 Tage. Er wird fraglos auch bequemer unterwegs sein, aber teilweise dürfte seine Reise ähnlich
spannend werden wie die des Phileas Fogg.
Der 61-jährige Cordes startet mit seiner Mooney TLS, einem elf Jahre alten Flugzeug, am Freitag
(3. Juli) zusammen mit seiner Copilotin Karin Siemer auf einem kleinen Flugplatz der Wiener
Neustadt als eines von elf Teams, die an diesem Flug rund um die Erde der Fédération
Aéronautique Internationale (FAI) teilnehmen. Organisiert hat die einzigartige Reise Johann
Gutmann, Ingenieur aus dem österreichischen Wieselburg. Am 7. August wollen die Teams wieder
auf dem Flugplatz in der Wiener Neustadt landen.
Dann haben Heinrich Cordes, Karin Siemer und die übrigen Piloten rund 16 000 nautische Meilen,
was etwa 31 000 Kilometern entspricht, zurückgelegt. Zum Teil wird das Abenteuer pur. "Wir fliegen
durch Gegenden, in denen noch nie ein Privatflieger unterwegs war", erzählt Heinrich Cordes, seit
35 Jahren Pilot mit inzwischen rund 6000 Flugstunden. Da machen die Piloten nach der Türkei zum
Beispiel Station in Armenien und in der Mongolei - Länder, in denen die Privatfliegerei unbekannt ist
und es deshalb für diese Flugzeuge auch keinen Treibstoff gibt. Den wird die FAI in Fässern zu den
jeweiligen Flugplätzen transportieren. "Wir fliegen in diesen Ländern, um die Privatfliegerei dort
bekannter zu machen", erzählt Heinrich Cordes, der 1990 seinen ersten Atlantikflug absolvierte.
Die Atlantiküberquerung steht wieder auf dem Programm. Dann befinden sich Menschen und
Maschinen allerdings schon auf dem Rückweg. Von Goose Bay in Kanada geht es Anfang August
nach Narsasuaq auf Grönland und nach einem Stopp unmittelbar weiter nach Reykjavik auf Island.
Allein die Vorbereitung der Atlantiküberquerung erforderte eine logistische Meisterleistung. Alle
möglichen Notausrüstungen werden in der bis zu 330 Stundenkilometer schnellen einmotorigen
Mooney verstaut sein: vom Überlebensanzug bis zur Rettungsinsel.
"Der Flug ist eine Herausforderung, eines der letzten Abenteuer", erklärt Heinrich Cordes. Doch das
Schwierigste war für ihn und die anderen Piloten nicht die logistische Vorbereitung, sind doch alle
alte Hasen. Das Schwierigste war es, die Visen für Kasachstan zu bekommen. "Wir mussten die
Anträge handschriftlich stellen", sagt der 61-Jährige. Es hat geklappt. Das Abenteuer "In fünf
Wochen um die Erde" kann beginnen. |
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| Man könnte glauben unsere Reise steht unter keinem guten Stern.
Letzte Woche noch mal zur Sicherheit das Flugzeug in die Werft. Ergebnis Motorschaden.
OK dann auf die schnelle ein neues Flugzeug. Dann die Nachricht aus der Gruppe per Mail: Alle brauchen ein
Visum für die USA! OK Termin über einen Terminvereinbarungsservice besorgt, Glück gehabt, denn es gab nur
noch einen Termin, der vor unserer Reise datiert war in Berlin am 02.07.2009. Als wir uns also am Donnerstag
02.07.2009 morgens um 03.00 Uhr auf den Weg nach Berlin gemacht haben, hatten wir ein mulmiges Gefühl,
denn wir wussten, dass wir das Visum entgegen dem normalen bürokratischen Weg der amerikanischen
Botschaft in Berlin noch am selben Tag wieder zurück bekommen mussten denn ohne Pässe könnten wir die
Reise am nächsten Tag zum Start nach Wien nicht antreten. Die Schlange vor der amerikanischen Botschaft war
lang - sehr lang. Nach 2 Stunden konnten wir zumindest das Gebäude betreten. Was hier praktiziert wurde war
eine Massenabfertigung ohne jeglichen Charme. Nach wiederum 2 Stunden waren wir dann dran mit unserem
Interviewtermin. Leider wollte man uns nicht zuhören und einfach nur das Standartverfahren abwickeln. Wir
hörten auf unsere eindringliche Bitte den Pass sofort wieder mitnehmen zu dürfen immer wieder nur NO
SORRY. Zum Trost bot man uns an, wir könnten die Pässe am Montag dem 06.07.2009 morgens um 08.00 Uhr
in Berlin abholen.
Die Enttäuschung war groß und eine riesen Portion Wut im Bauch war auch dabei. Die einzige Chance, die wir hatten war am Montagmorgen die
Pässe zu holen und den anderen hinterher zu fliegen in der Hoffnung die Gruppe einzuholen. |
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| Wir sind gestern schon samt Gepäck nach Berlin Schönhagen geflogen und dann mit dem Auto weiter in das
Hotel neben der amerikanischen Botschaft. Wir hatten große Bedenken, ob wir vielleicht wieder vier Stunden
warten müssten oder ob die Pässe wirklich fertig sind.
Um 07.30 Uhr waren wir da. Alles ging gut. Wir kamen durch, man gab uns die Pässe, wir fuhren erleichtert
zum Flugplatz Schönhagen und um 09.30 Uhr waren wir startklar. Die Aufholjagd konnte beginnen. Wir flogen
nach Wien um dort zu tanken. Der Flug war nicht ohne, denn das Wetter war nicht optimal. Schlimmer
allerdings war, dass während des Fluges durch das schlechte Wetter dann auch noch die Warnleuchte für den
Alternater (Lichtmaschine) aufleuchtete. Das war kein gutes Zeichen und in Wien angekommen führte unser
Weg direkt in die Werft. Der Schaden konnte nach 3 Std. behoben werden aber unser Weiterflug nach Istanbul
war aufgrund des schlechten Wetters unmöglich. Wieder kam leichter Frust auf aber es gab keine andere
Möglichkeit als in Wien zu übernachten. |
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Heute Morgen war das Wetter OK und wir starteten um 08.00 Uhr Richtung Istanbul.
Es war ein schöner Flug. Das Wetter war - bis auf einige Umwege um Gewitterzellen – OK. Nach der Ankunft
in Istanbul konnten wir reibungslos tanken. Auf dem Weiterflug nach Erzurum kam die Hoffnung auf, die
Gruppe vielleicht heute noch in Yerevan (Armenien) zu erreichen. Der Flug nach Erzurum war - bis auf einige
Gewitter - OK und wir lagen sehr gut in der Zeit. In Erzurum allerdings war plötzlich der Tankwagen defekt.
Wir versuchten zu improvisieren und füllten das AVGAS aus dem Tankwagen in Kanister und dann in das
Flugzeug. Eine müßige Angelegenheit. Leider gab es auf dem Flugplatz in Erzurum nur zwei Personen die ein
wenig englisch sprachen. Nach 3 Stunden Tankversuche brachte der Tankwart dann plötzlich noch vier etwas
größere Behälter mit AVGAS (so behauptete er), die wir ebenfalls dann in das Flugzeug füllten. Das Flugzeug
war dann zwar fast voll getankt aber an einen Weiterflug nach Yerevan war aufgrund des großen Zeitverlustes
nicht zu denken. Es war zu spät und einen Nachtflug in einem Land, dass wir nicht kannten mit sehr vielen
hohen Bergen schien einfach zu riskant. Wir gingen auch an diesem Abend frustriert in ein Hotel. |
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| Auch heute Morgen machten wir uns schon früh auf den Weg. Wir wollten endlich die Gruppe erreichen, die
immer noch in Yerevan war.
Auf dem Flugplatz in Erzurum ließ man uns fast eine Stunde warten. Angeblich wegen dem Zoll aber warum
genau ist uns bis jetzt nicht klar. Dann jedoch war alles OK und wir konnten endlich weiterfliegen nach Yerevan.
Der Flug verlief plangemäß und dauerte nur 1 Stunde. Auf dem Flugplatz in Yerevan wurden wir nicht mehr
lange aufgehalten mit Passkontrollen etc. Es ging gut. Wir suchten uns ein Taxi und als der Taxifahrer den
Kofferraum öffnete um unser Gepäck einzuladen sahen wir, dass unter der Rückbank des doch schon sehr alten
Autos ein Gastank provisorisch eingebaut war. Egal wir fuhren ins Hotel. Dort angekommen trafen wir dann
endlich unseren Freund und Organisator Hans Gutmann aus Wien. Abends gab es ein Essen mit der Gruppe, die
sich genauso wie wir freute und uns herzlich aufnahm. |
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| Heute war Freetime in Yerevan und wir nutzten die Zeit um uns umzusehen. Wir waren
erstaunt wie modern die Stadt ist und wie gepflegt die Menschen in der Stadt waren. Es gab
hier sehr sehr viele schöne Frauen. Um 17 Uhr war dann das Breefing im Hotel. Die Gruppe
traf sich für die Besprechung des Fluges nach Athyrau am nächsten Tag. Es wurde
besprochen, wer IFA fliegt und in welcher Reihenfolge abgeflogen wird. Dann wurden die
Flugpläne besprochen. In der Gruppe war eine gute Stimmung und man half einander mit
Informationen, Karten- und Wettermaterial. Das Abschiedsdinner in Yerevan fand in einem
Weinkeller statt. Es war ausgezeichnet. |
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Heute Morgen mussten wir früh raus. Frühstücken um 06.30 Uhr und Abfahrt vom Hotel um
07.00 Uhr Richtung Flugplatz. Auf dem Flugplatz wurden wir wieder am meisten von Pass- u.
Gepäckkontrollen aufgehalten. Als das überstanden war konnte es dann losgehen. Wir waren
an dritter Stelle dran mit dem Starten. „Yerevan Ground, request Start up“……
Der Flug war ruhig. Das Wetter war schön und in Richtung Kasachstan schien uns die
Landschaft, die wir unterwegs sahen doch sehr einer Mondlandschaft. Unendlich weites
unbewohntes Land ohne Bäume etc. einfach nur trocken. Die Größe war schon sehr
beeindruckend. Alle 20 Minuten sah man unten mal ein kleines Dorf aber mehr auch nicht.
Dann in Richtung Kaspisches Meer bis zu 4.000 Meter hohe Berge. Das Kaspische Meer
haben wir kaum gesehen, da wir in 19.000 Fuss Höhe fast immer in den Wolken waren.
Beim Funken merkten wir, dass wir uns von Europa entfernt hatten, denn die Verständigung
bzw. die englische Sprache wurde immer schwieriger. Nach 3 Stunden und 40 Minuten Flug
hatten wir dann die Piste des Flugplatzes in Athyrau (Kasachstan ) in Sicht. Auch die
Landung war sanft doch wir waren erstaunt, dass wir die ersten waren, die am Ziel
angekommen sind. Wir folgten dem „Follow Me Car“.
An unserem Abstellplatz angekommen wurden wir dann von einer Horde Journalisten
überfallen. Man fragte uns Löcher in den Bauch. Nach 30 Minuten kam dann auch das
nächste Team an und wir waren die Journalisten erstmal los. Es waren über 30 Grad. Das
wichtigste war nun, dass wir AVGAS bekamen zum tanken. Wir waren beruhigt, als wir den
LKW mit den AVGAS - Fässern sahen. Nun hieß es per Hand pumpen. Darauf waren wir ja
vorbereitet und AVGAS war auch für alle genug da. Nachdem alle Teams angekommen
waren und vollgetankt hatten, ging es dann zur Passkontrolle. Sollte kein Problem sein – war
aber eins und zwar ein großes denn sieben Mitglieder aus der Gruppe hatten ihr VISUM für
Kasachstan auf Grund der Terminänderung vor 14 Tage nicht mehr ändern lassen. Sie hatten
ein VISUM ab dem 13.07.2009 und nicht ab dem 10.07.2009.
Das fanden die Behörden hier gar nicht witzig und es gab ein riesen Theater. Hans Gutmann
unser Teamleiter hat dann mit dem österreichischen Außenministerium telefoniert, die dann
wiederum mit dem Außenministerium in Kasachstan gesprochen haben und nach 4 Stunden
Wartezeit bekamen unsere sieben Kollegen dann ein neues VISUM. In dieser Situation konnte
man erkennen, dass es einen guten Zusammenhalt innerhalb der Gruppe gab denn auch die
Mitglieder, die ein gültiges VISUM hatten warteten auf die anderen bevor es dann zum Hotel
ging. Das Hotel in Athyrau war schön und es fehlte uns an nichts. Da wir jedoch einen sehr
sehr langen Tag hatten gingen alle einfach nur müde zu Bett. |
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Auch heute morgen hieß es 06.30 Uhr Frühstück und 07.00 Uhr Abfahrt zum Flugplatz.
Heute ging der Flug nach Shymkent (Kasachstan). Am Flugplatz selber ging es erstaunlich
schnell. Wir brauchten nicht einmal durch die Passkontrolle. Und wieder hieß es Athyrau
Ground request Start up. Der Flug über ca. 1.550 km nach Shymkent war ebenfalls problemlos. Unter uns sahen war noch ein unheimlich weites und teilweise menschenleeres
Land.
Nach einer Flugzeit von 4 Stunden und 51 Minuten und einer guten Landung freuten wir uns
zunächst, den LKW mit den AVGAS - Fässern zu sehen. Das Tanken per Hand war
problemlos, denn alle in der Gruppe arbeiteten Hand in Hand. Da wir immer noch in
Kasachstan waren entfiel heute die Passkontrolle und damit auch lange Wartezeiten. Wir
fuhren also ins Hotel. Wir wussten, dass das Hotel nicht das allerbeste sein sollte…….. Ja
stimmt, es war wirklich nicht das allerbeste Hotel, also nur noch ins Bett und schlafen. |
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Und wieder hieß es früh aufstehen aber in diesem Hotel fiel das nicht mal schwer. Ein
Kollege erzählte auf dem Weg zum Flugplatz, dass er mit 3 riesen Heuschrecken übernachtet
hat, die ihn die ganze Nacht auf Trab gehalten haben. Schön, dass bei uns keine gewohnt
haben. Heute stand der Flug von Shymkent nach Burunday (Almaty) auf dem Plan.
Das war nicht ganz leicht, denn der Flugplatz Burunday am Stadtrand von Almaty ist sehr
klein und hat nicht einmal eine Kennung. Es gab auch keine Anflugkarten oder anderes
Material von diesem Platz. Wir hatten lediglich ein Foto von Google Earth und den Hinweis,
dass der Platz dicht bei dem großen Platz Almaty lag.
Wir konnten zügig starten und machten uns also auf den Weg nach Almaty – Burunday. Der
Flug war auch heute unkompliziert. Das funken allerdings war teilweise sehr suspekt. Unter
uns sahen wir, das die Vegetation grüner wurde aber auch hier unendlich weites Land. Den
Anflug auf Burunday sollten wir mit Hilfe des Radars machen, der uns führen sollte. Als wir
kurz vor Burunday waren und den Platz schon hätten sehen können gab man uns falsche
Kursangaben und das führte dazu, dass wir im Landeanflug plötzlich feststellten, dass wir
Kurs auf den falschen Flugplatz genommen hatten. Wir änderten im letzen Moment unseren
Kurs und orientierten uns neu. Dann sahen wir auch den kleinen Flugplatz und konnten sicher
landen. Auch hier erwartete uns eine Traube von Journalisten und Fernsehkameras. Hier in
Burunday wurden wir dann auch von Evgenia empfangen. Sie ist eine Agentin, die schon im
Vorfeld bei den VISA Anträgen behilflich war und uns während unseres Aufenthaltes in
Almaty betreuen würde.
Als alle Teams angekommen waren und die Journalisten alle Fragen gestellt hatten, hörten
wir, dass das Team aus Österreich, die mit einer zweimotorigen Piper unterwegs sind, mit
einem Motor Probleme hat. Ein Mitglied dieser Gruppe sprach davon, dass die Reise hier für
sie zu Ende sei und Sie nach Hause fliegen würden. Nach dem ersten Schock wurden dann
alle Hebel in Bewegung gesetzt um das Motorproblem zu analysieren. Es wurde telefoniert
mit Mechanikern, gefachsimpelt in der Gruppe und dann stellte sich heraus, dass eine
Reparatur nicht unmöglich ist. Es bestand also Hoffnung.
Dann ging es erstmal ins Hotel. Das Hotel heißt Jeppesen Hotel und ist speziell für die
Fliegerei ausgestattet worden. Lauter Fliegerbilder an der Wand und ein Restaurant mit lauter
Fluginstrumenten an der Wand und Flugzeugsitzen bestückt. Sehr originell. |
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| Heute ist Freetime und wir konnten ein wenig ausschlafen. Um 10.30 Uhr begann unser
Programm. Evgenia führte uns zu einem Mahnmal und einer orthodoxen Kirche in Almaty.
Danach ging es dann weiter in die nahe gelegenen Berge, die teilweise über 3000 m hoch sind.
Wir fuhren in ein Skigebiet mit schönen Holzhäusern. Man könnte glauben, man sei in
Österreich. Die Landschaft ist hier wunderschön.
Nach dem Mittagessen fing es dann an zu regnen und das restliche Tagesprogramm wurde
gestrichen. Nachmittags gab es dann ein Breefing für den Flug in Richtung Mongolei. Vor
uns liegen sehr lange Etappen und aus Sicherheitsgründen wurde kurzfristig der Plan und das Routing geändert. Wir werden morgen schon Almaty verlassen und unsere Reise mit einer
Zwischenstation in Kamenogorsk an der Grenze zur Mongolei fortsetzen. |
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Unser nächstes Ziel ist die Mongolei. Ursprünglich wollen wir über Usbekistan und
Turkmenistan fliegen, leider hat uns Turkmenistan die Überfluggenehmigung verweigert. Aus
diesem Grunde mussten wir über russisches Gebiet von Kamenogorsk in die Mongolei fliegen.
Gar nicht so einfach, denn über russischem Gebiet darf man nur fliegen, wenn ein russischer
Navigator an Bord des Flugzeuges ist. Dem russischen Verkehrsminister persönlich haben wir
es zu verdanken, dass wir nur einen Navigator für die 11 Flugzeuge mitnehmen mussten.
Ursprünglich sollte jeweils ein Navigator in jedem Flugzeug vorgeschrieben werden. Völlig
unmöglich, denn die Flugzeuge sind hinsichtlich der Zuladung bis zum letzten Gramm
ausgelastet.
Unser „Chef“ Hans Gutmann fing schon Tage vor Almaty an, laut darüber nachzudenken, in
welchem Flugzeug der russische Navigator mitfliegen sollte. In diesem Punkt waren sich alle
Teams einig, keiner wollte den russischen Navigator an Bord haben. Nachdem Hans uns „ins
Gebet“ genommen hatte mit Argumenten „Ihr könnt mit Eurem Flugzeug ja hoch fliegen
usw.“ haben wir uns bereit erklärt, den russischen Navigator in unserem Flugzeug mit zu
nehmen. Für Karin bedeutete dies allerdings, dass sie nun bis Alaska hinten im Flugzeug
sitzen muss.
Vladimir heißt unser Navigator. Ein ruhiger Typ, ca. 45 Jahre alt mit 13.500 Flugstunden im
Flugbuch. Vladimir war schon in vielen Deutschen Flugzeugen über russischem Gebiet
Navigator, allerdings waren dieses ausschließlich große Flugzeuge oder Businessjets. In so
kleinen Flugzeugen hatte er noch nie gesessen. Aber irgendwie hat er Spaß an dieser Reise.
Seine Kollegen, die ihn allesamt um diesen Auftrag beneiden, so erzählte er uns, haben ihm
aufgetragen, mindestens 5.000 Bilder zu machen.
So gegen 14 Uhr starteten wir auf dem Flugplatz Burunday am Stadtrand von Almaty
Richtung Kamenogorsk. Wir flogen über menschenleere Gegenden die einer Mondlandschaft
ähneln. Vladimir erzählt uns, dass hier nie wieder Menschen leben werden, dies war früher
Atomwaffentestgebiet der Sowjetunion.
Ca. 100 km vor unserem Ziel lag eine starke Gewitterfront. Wir hatten keine Chance, hier
mussten wir durch. Nach einem Flug von 2 Stunden sind wir glücklich und sicher auf dem
Flugplatz Kamenogorsk gelandet. Teams, die später kamen, hatten es nicht so leicht. Die
Gewitterfront lag nun über dem Flugplatz mit starkem Wind und Regen. Besonders hat es
Helmut erwischt, in der Aufregung durch den Gewitterflug hat er beim Landen vergessen,
sein Fahrwerk auszufahren. Das Flugzeug ist nicht mehr flugfähig, Gott sei dank, seinem
Copiloten und ihm ist nichts passiert. Für ihn ist die Reise hier in Kamenogorsk beendet.
Nach einem aufregenden Tag wurden wir mit einem Bus ins Hotel gebracht. Karin hatte
schon seit dem Nachmittag Bauchschmerzen und Symthome, die man eigentlich nur mit
Imodium bekämpfen kann. Auch ich habe mich vorsichtshalber nicht mehr all zu weit von der
Toilette entfernt. Bei der Vorbereitung des Fluges in Deutschland hatten wir in „Google
Earth“ ein Bild von der Toilette auf dem Flugplatz Olgi entdeckt. Wirklich kein einladender
Anblick und noch viel schlimmer, morgen fliegen wir nach Olgi …. |
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Der Wecker klingelt um 4 Uhr in der Frühe. Wir hatten auf Grund unserer Magen-Darm-
Probleme die ganze Nacht nicht geschlafen. Um 5 Uhr werden wir vom Bus abgeholt, also
das üblich Prozedere: Gepäck zum Bus schleppen, einladen, am Flugplatz Gepäck wieder
ausladen und zum Zoll. Die waren heute besonders genau, die Abfertigung dauerte ca. 2
Stunden. Dann kam Hans von der Flugsicherung und teilte uns ziemlich frustriert mit, dass
wir nicht fliegen dürfen, weil das Wetter zu schlecht sei - am Himmel war keine einzige
Wolke zu sehen.
Sergej, unser Kollege aus dem russischen Team, ging nun zur Flugsicherung. Und plötzlich
-wie aus heiterem Himmel- war das Wetter nun doch gut genug und wir durften starten.
Nachdem wir gegen 10 Uhr in Richtung Olgi (Mongolei) in der Luft waren fiel mir Stein vom
Herzen. Wir hatten den kasachischen Boden verlassen. Vor 4 Tagen hatte Hans Gutmann, wir
waren schon Atyrau (Kasachstan) eine Mail von der Kasachischen Regierung erhalten:
„G-BIRT and D-EKBK are strikly verbidden, to enter the Airspace of Kasachstan“. Der arme
Willem aus England und ich wussten nicht, warum diese Ablehnung erfolgte. Wir haben
jedoch immer unsere Flugpläne und unsere Starts und Landungen in Kasachstan genehmigt
bekommen.
Unser Flugweg führte uns in Richtung Russischer Grenze. Vladimir hatte richtig Stress mit
der Einfluggenehmigung, weil sich auf den vorgegebenen Frequenzen niemand meldete. Er
hat dann über Handy die Genehmigung erhalten und anschließend über Funk an die Kollegen
weitergegeben.
Nach ca. 3 Stunden Flugzeit hatten wir den Flugplatz Olgi in der Mongolei in Sicht. Der arme
Kontroller, der sonst in der Woche nur 2 Flugzeuge abfertigt, hatte es nun plötzlich mit 10
Flugzeugen auf einem Schlag zu tun und war hoffnungslos überfordert. Vladimir gab dann
über unsere interne Bord-Bord-Frequenz die Losung aus „der Kontroller ist dumm, wir landen
in eigener Verantwortung“. Gesagt getan, nach 30 Minuten waren alle Flugzeuge auf der
Schotterpiste in der Wüste Gobi sicher gelandet.
Auf uns wartete schon der LKW mit den Spritfässern. Während die Kollegen sich sofort um
das Betanken ihrer Flugzeuge kümmerten, sind Karin und ich auf direktem Wege zum
Flughafengebäude gelaufen. Hier wird es ja wohl eine einigermaßen passable Toilette
geben… Der Beamte am Eingang erklärte uns, die Toilette sein da drüben und zeigt auf das
uns schon durch Google Earth bekannte blaue Häuschen. Was soll man machen, wenn man
Durchfall hat …. Eines steht fest, es war schlimmer als wir uns dies im allerschlimmsten Fall
vorstellen konnten. Dieses Erlebnis werde ich nie vergessen.
Nach einem Aufenthalt von ca. 2 Stunden starteten wir mit unserer voll getankten D-EKBK in
Richtung Ulaanbaatar. Nach einer Flugzeit von 4 Stunden und 30 über der Wüste Gobi mit
unbeschreiblichen Eindrücken landen wir nach Sonnenuntergang auf dem Flugplatz Chinggis
Khaan International in Ulaanbaatar. 5 langsamere Flugzeuge waren in Olgi geblieben, die
Teams wollten nicht bei Nacht über eine so lange Strecke fliegen. Sie wollen morgen nach
Ulaanbaatar folgen. |
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Heute ist relaxen und das Auskurieren der Magen-Darm-Probleme angesagt! |
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| Das Auskurieren der Magen-Darm-Probleme war nicht sehr erfolgreich. Karin geht es immer
schlechter aber sie möchte unbedingt „an Bord“ bleiben. Also, aufraffen und etwas laufen.
Laufen auf dem Bürgersteig in Ulaanbaatar bedeutet, immer genau hinschauen, wo man
hintritt. Es ist durchaus nicht selten, dass mitten im Bürgersteig ein 2 Meter tiefes Loch ist.
Ein Mongole würde auch niemals auf Bretter treten, die über derartige Löcher gelegt wurden.
Sie werden schon wissen warum.
Abends sind wir zum Essen bei einer regionalen Airline eingeladen. Das Essen war super,
allerdings bezog sich die Einladung wohl nur auf den Vortrag der Airline, gezahlt haben wir.
Unser Leader Hans Gutmann hat den ersten Start für Sonnenaufgang am nächsten Tag
festgelegt. Morgen liegen 3 Flüge in Richtung Yakutsk vor uns.
Da wir mit dem Bus ca. eine Stunde vom Hotel bis zum Flugplatz benötigen und die Prozedur
beim Zoll und den Sicherheitsbehörden mindestens 2½ Stunden dauern, beschließen wir, um
2 Uhr nachts das Hotel zu verlassen. |
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Geschlafen hat wohl keiner von uns. Jeder bekommt im Hotel noch eine Plastiktüte, angeblich
mit essbarem, Frühstück gab’s natürlich nicht.
Nach einer Stunde Busfahrt (im Bus schlafen ist unmöglich auf Grund der Straßenverhältnisse)
sind wir am Flugplatz. Die Zoll- und andere Kontrollen dauern heute nur ca. 2 Stunden, also
können wir uns in aller Ruhe noch um die Flugzeuge kümmern, die im Hangar von Air-
Mongolia stehen. 15 Minuten von Sonnenaufgang werden die Hallentore geöffnet und unsere
Flugzeuge ins Freie geschoben. Kurz vor Sonnenaufgang lassen die „beiden Bob’s“ ihr
Flugzeug an. Sie sollen als Erste starten, da sie das langsamste Flugzeug fliegen.
Die beiden „Bob’s“ sind ein lustiges Team. „Big Bob“ ist Amerikaner, ca. 2 Meter groß und
wiegt sicherlich seine 130 kg (schätze ich, hab natürlich nicht gefragt). Big Bob war mit
seiner C182 schon überall auf der Welt, sogar einen Flug über den Nordpol hat er gewagt.
„Smal Bob“ kommt aus Neu Guinea und hat sich hier wohl ein kleines Paradies geschaffen.
„Smal Bob“ ist ca. 1,60 groß mit seinen ca. 70 Jahren immer gut drauf.
In Abstand von 10 Minuten starten wir nun alle in Richtung Sibirien. In meinem Bordbuch
notiere ich die Abflugzeit 21:54 UTC (am 17.7.). Das Wetter ist mehr als bescheiden, wir sind
die meiste Zeit in Wolken. Lediglich beim Überflug der Grenze nach Russland haben wir für
kurze Zeit Erdsicht. Vladimir, unser russischer Navigator, der in unserem Flugzeug mitfliegt,
hat alle Hände voll zu tun. In dieser Gegend gibt es natürlich kein Radar und Funk ist auch
nur sehr dürftig abgedeckt. Also schreibt er fleißig „Estimates“ (geplante Überflugzeiten über
Meldepunkte) mit und gibt diese über mein Sattelitentelefon weiter. Anweisungen, die er von
den russischen Behörden erhält, werden über unsere Bord-Bord-Frequenz weitergegeben.
Nach einer Flugzeit von etwas über 3 Stunden erreichen wir Kadala Chita. Als Landezeit
notiere ich 01:00 UTC (am 18.7.). Nachdem alle Flugzeuge gelandet sind, wird wieder aus
Fässern getankt, das haben wir mittlerweile „lang drauf“, in einer Stunde sind alle Flugzeuge
betankt.
Wir sind überrascht, wie einfach die Zoll- und sonstigen Formalitäten ablaufen. Das mag
daran liegen, dass die Zollbeamten bereits beim Tanken in das eine oder andere Flugzeug
geschaut haben. Nach einem Aufenthalt von ca. 2 Stunden sind wir wieder in der Luft
Richtung Chulman-Neryungri. Das angeblich bessere Wetter habe ich auf diesem Flug nicht
gefunden, dafür aber unseren Zielflugplatz Chulman.
In Chulman ist nur eine „technical landing for refueling“ vorgesehen. Das ist auch gut so,
denn hier gibt es weder eine Toilette noch sonst etwas, was der Mensch so gebraucht.
Hans hat, weil er vom Wetter auch etwas negativ beeindruckt war, den örtlichen
„Wetterfrosch“ am Flugplatz um Wetterinformation (METAR / TAF) gebeten. Bekommen
hat er eine handschriftliche Ausfertigung und die Rechnung hierfür über 1.330.- US$. Wir
konnten das nicht glauben, doch Vladimir und unser russisches Team haben herausgefunden,
dass das der hier übliche Preis für eine derartige Dienstleistung ist. Nicht bezahlen geht nicht,
da wir sonst an diesem gottverlassenen Ort bleiben. Also, ärgern, bezahlen und schnell wieder
in die Luft.
Nach einem knapp 3-stündigem Flug landen wir kurz vor Sonnenuntergang in Yakutsk. Auch
die langsameren Flugzeuge müssen heute hier noch landen, denn Morgen ist Sonntag und
Sonntags ist der „Yakutsk-International-Airport“ immer geschlossen.
Nachdem alle Flugzeuge gelandet sind geht’s ab ins Hotel. Karin hat mittlerweile
krampfartige Schmerzen. Wir beschließen, die Ambulanz zu rufen. Unser Teammitglied Rob,
ein Holländer und Gynäkologe, versucht seiner russischen Kollegin seine Diagnose mit Hilfe
eines Dolmetschers zu übersetzen. Es wird beschlossen, Karin in ein Hospital zu bringen, Rob
fährt mit im Krankenwagen. Das Erlebnis muss für Karin traumatisierend gewesen sein, als
sie wieder im Hotel ist sagt sie, „ich möchte zurück nach Deutschland“. |
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| Heute haben wir frei. Leider konnte ich nicht viel unternehmen, als max. Entfernung von der
Hoteltoilette habe ich 5 Minuten Gehzeit kalkuliert.
Gott sei Dank habe ich meinen Freund Dieter Keck, der den nächstmöglichen Flug von
Yakutsk nach Deutschland für uns organisiert hat. Die nächste Möglichkeit ist am Dienstag
über Moskau nach Düsseldorf. Wir müssen jedoch schon am Montagmorgen ganz in der
Frühe weiter nach Magadan fliegen. Was also tun? Mit dem Flugzeug hier bleiben bedeutet,
das Flugzeug aufzugeben. Die nächste Möglichkeit, Flugbenzin zu bekommen ist -außer für
die Gruppe- erst wieder in Alaska und bis dahin sind es noch 2.500 km. Wenn ich bleiben
würde hätte ich außerdem keine Genehmigung mehr, müsste diese neu beantragen und einen
Navigator bestellen. Ich wünsche niemanden, jemals eine derartige Entscheidung treffen zu
müssen. |
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Heute stehen wir wieder bei Sonnaufgang auf, ich hatte die ganze Nacht nicht geschlafen.
Alle verabschieden sich von Karin, die nun einen Tag allein hier verbringen muss um am
nächsten Tag nach Deutschland zu fliegen.
Am Flugplatz angekommen suchen wir unseren „Spritwagen“. Der LKW mit den
Benzinfässern hatte uns schon in Chulman mit Benzin beliefert und hatte sich vor 2 Tagen auf
den Weg von Chulman nach Yakutsk gemacht, eine Strecke, für die ich mit dem Flugzeug
genau 2 Stunden und 43 Minuten gebraucht habe. Von unserem Spritwagen ist weit und breit
keine Spur. Bei jedem Telefonat wird uns versprochen, dass er in ca. 1 Stunde hier ist, so geht
es bis ca. 17 Uhr. Die Zeit haben Hans und unser russisches Team genutzt, um von der
nächsten Tankstelle ca. 200 Liter Autobenzin zu beschaffen, mit dem wir unser Flugbenzin
etwas „verlängern“ wollen. Bis zu 10% wäre OK, versichert uns Hans. Was sollen wir
machen, wir wissen, auf unserem Spritwagen ist zu wenig Flugbenzin. Ich bekomme 30 Liter
Autobenzin, angeblich 95 Oktan. Beim Öffnen des Kanisters falle ich fast um. Das Zeug
stinkt fürchterlich nach verfaulten Eiern. Das Autobenzin fülle ich vorsichtshalber nur in den
rechten Flächentank, dann kann ich mit dem linken Tank starten und wenn ich „ganz oben
bin“ auf den Tank mit dem Autobenzin umschalten.
Gegen 17 Uhr kommt nun auch unser Spritwagen. Er hat eine Dame bei sich im LKW. Ob
nun die schlechten Straßen in Sibirien oder die besagt Dame für die Verspätung ursächlich
waren, bleibt das Geheimnis unseres LKW-Fahrers. Wir haben dann die Flugzeuge in neuer Bestzeit betankt und sind anschließend wieder in unser Hotel gefahren, an einen Weiterflug
nach Magadan war nicht mehr zu denken.
Karin geht es mittlerweile sehr schlecht. Meinen Vorschlag, wieder die Ambulanz zu rufen,
lehnt sie mit Entschiedenheit ab. Den ganzen Tag über hatte sich vom Hotel niemand blicken
lassen, obwohl ich die Dame an der Rezeption gebeten hatte, mal nachzuschauen und etwas
Essbares zu bringen. Die 50 US$ hat sie genommen, gemacht hat sie nichts….
Beim Gang zur Toilette stelle ich fest, kein Toilettenpapier mehr da. Ich gehe zur Rezeption
(hier ist wieder die Dame mit den 50 US$, die total überrascht ist, mich hier zu sehen) und
bitte um Toilettenpapier. Antwort in gebrochenem Englisch „Service erst Morgenfrüh gegen
9 Uhr“. Ich werde selten laut, aber nun ging’s nicht mehr anders. Es hat gewirkt, in 5 Minuten
hatte ich mein Toilettenpapier. |
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Aufstehen bei Sonnenaufgang und Fahrt mit dem Bus zum Flugplatz. Ich habe schon so
vielen Fluggästen mit etwas Flugangst gesagt: „das gefährlichste am Fliegen ist die Fahrt zum
Flugplatz“. Ja, jetzt weis ich es definitiv, es stimmt!
Gegen 10 Uhr Ortzeit (genau 22:55 Uhr UTC am 20.) starte ich nun allein mit meinem
Navigator Vladimir Richtung Magadan. Ca. 1.400 km liegen vor uns. Auf unserem 4-
stündigen Flug habe ich zu keinem Zeitpunkt Anzeichen von Zivilisation gesehen, nur Tundra
und Berge, welch ein riesiges Land ist doch Russland bzw. Sibirien. Unser Autobenzin habe
ich übrigens nicht bemerkt, unsere Cessna hat es ohne murren genommen
In Magadan wird nach der Landung sofort wieder getankt. Hier hatte Hans genug Flugbenzin
bestellt, jeder konnte sein Flugzeug randvoll tanken. Dies ist auch erforderlich, denn Morgen
liegt die längste Strecke unserer Reise, der Flug von Magadan nach Anadyr vor uns.
Vladimir läst seine „Beziehungen spielen“ und fragt mich: „möchtest die Kaviar kaufen“. Mit
europäischen Preisvorstellungen frage ich ihn nach dem Preis. Sein Antwort: „will see“. Ich
gebe ihm 1.500 Rubel (ca. 45 Euro) und bekomme 2 kg feinsten roten Kaviar, den wir
brüderlich mit allen Teams teilen. Einen Rest hat Vladimir an die Seite geschafft, den essen
wir am nächsten Tag in 6.000 Meter Höhe zum Frühstück.
Der Bus bringt uns zunächst zu einem Mahnmal für die Stalinopfer. Erst in den letzten 10
Jahren wird den vielen tausenden Gulag-Opfern gedacht, die allein hier in Magadan ums
Leben gekommen sind. Während der einstündigen Fahrt vom Flugplatz in die Stadt habe ich
nicht ein einziges Haus gesehen, das auf den ersten Blick ohne Schäden ist. Ein trostloser
Anblick. |
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Wieder vor Sonnenaufgang aufstehen. Heute liegen ca. 1.900 km vor uns, von Magadan nach
Anadyr. Gegen 9.30 Ortzeit heben wir ab. Bereits in 400 Meter Höhe sind wir in den Wolken.
Nach einer Stunde können wir die Erde wieder sehen. Unbeschreibliche Bilder, die man
niemals mit einer Kamera einfangen kann, dürfen wir verinnerlichen. Wir fliegen heute in
6.000 m Höhe und haben Glück, hier etwas Rückenwind zu finden. Wir landen deshalb schon
nach einer Flugzeit von knapp 5 Stunden nachmittags in Anadyr. Die „beiden Bob’s“ haben
weniger Glück, sie konnten nicht so hoch fliegen und landen auf Grund des Gegenwindes in
deren Flughöhe erst kurz vor Mitternacht in Anadyr.
Unser Hotel in Anadyr hatten wir für die Nacht zuvor gebucht (und bezahlt). Auf Grund der
unbeabsichtigten zusätzlichen Nacht in Yakutsk hatten wir eine Tag Verspätung. Hier sollten
wir nur dann übernachten dürfen, wenn wir den gesamten Betrag nochmals bezahlen, eröffnet
man uns. Nein, so kann man nicht mit uns umgehen, also fragen wir im
„Flughafenhotel“ nach und bekommen tatsächlich 2- und 3-Bettzimmer. Über den Zustand
des Hotels will ich mich nicht auslassen, wir waren zwar „Kummer gewohnt“, dies war
jedoch der Gipfel. Egal, nur noch schlafen, Morgen geht’s nach Alaska. |
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Heute ist der 23.7.2009 und wir wollen nach Alaska. Man hatte uns Abends zuvor zugesichert,
dass das Flugbenzin pünktlich um 9.15 Uhr Ortszeit am Flugplatz ist. Angeblich hätte man es
dem Lieferanten bisher nicht genehmigt das Flugbenzin auf dem Flugplatz zu verbringen.
Um 9 Uhr stehen wir alle erwartungsvoll bei unseren Flugzeugen und warten auf das
Flugbenzin. Weit und breit nichts zu sehen. Nach div. Telefonaten wird uns berichtet, die
Spritfässer stehen vor dem Airport, aber die Airportverwaltung weigert sich die Fässer auf
den Flugplatz zu lassen. Angeblich gibt es kein Zertifikat für das Benzin.
Lange Verhandlungen zwischen Hans und unserem russischen Team einerseits und der
Flughafenverwaltung andererseits beginnen. Nach ca. 4 Stunden ist die Lösung gefunden:
Alle Piloten unterschreiben ein Papier in dem erklärt wird, dass die Piloten allein für das
Flugbenzin verantwortlich sind. Plötzlich kommen unsere Fässer per Gabelstapler. Nun
verstehe ich auch augenblicklich die Flughafenverwaltung, die Fässer sind total rostig und
schmutzig. Hans beruhigt uns und sagt: „AVGAS vergammelt nicht, das einzige Problem
könnte sein, das Wasser drin ist“. OK, wir wollen mal glauben, was Hans sagt, aber Kontrolle
ist doch besser. Also werden zwei Fässer geöffnet und mittels eines Rohres vom Grund des
Fasses Proben genommen. Das Zeug scheint wirklich OK zu sein, denn die innere
Beschichtung der Fässer war OK. Außerdem waren die Fässer niemals geöffnet worden, unter
der Versiegelung der Öffnungen war noch ein Zettel mit dem Herstellungsdatum 1.5.2005 in
Belgien. Wie diese Fässer ihren Weg ans andere Ende der Welt gefunden haben, wird wohl
nicht zu ermitteln sein.
Wir tanken nur die Menge, die für unseren 750 km Flug nach Nome in Alaska notwendig ist.
Gegen Mittag sind wir mit dem Tanken fertig. Jetzt noch schnell zum Zoll und den
Sicherheitsbehörden und dann ab in die USA. Hier hatten wir wieder mal die Rechnung ohne
den berühmten Wirt gemacht, wir wurden von einen Raum in den nächsten geschickt, unser
Gepäck und wir wurden drei oder viermal kontrolliert. Gegen 15 Uhr durften wir dann unter
ständiger Polizeiüberwachung in unsere Flugzeuge steigen. Heute starten die schnellsten
Flugzeuge zuerst, damit es beim Grenzüberflug nicht zu Schwierigkeiten kommt. Wir sind als
Dritte dran. Um 15.06 Uhr Ortszeit am 23.7.2009 starte ich in Anadyr Richtung Alaska. Das
Wetter ist wieder bescheiden, nur ab und zu kann man die Erde zwischen den Wolken sehen.
Dafür haben wir Zeit, uns mit unserem GPS zu beschäftigen. Wir nähern uns dem 180.
Längengrad oder auch „Nullmeridian“. In nur 20 Sekunden mache ich zwei Aufnahmen von
unserem GPS: zuerst E179.59… und dann W179.59...., ein unbeschreibliches Gefühl. Auch
Vladimir hat das noch nicht erlebt. Weil ich wusste, dass seine Frau heute Geburttag hat, gebe
ich ihm mein Sattelitentelefon und sage ihm er möge doch seine Frau anrufen. Ich bin mir
sicher, ich habe ihm eine große Freude bereitet.
Nach gut drei Stunden Flugzeit landen wir bei miesestem Wetter in Nome. Die Landebahn
sehen wir erst, als wir in ca. 400 Meter „aus den Wolken fallen“ und das bei einem NDB
Anflug ohne DME. Jeder Flieger weiß, was das bedeutet.
Ich bin froh wieder im Westen zu sein. Falls hier mal was mit dem Flugzeug nicht OK ist,
kann man Hilfe bekommen, außerdem kann man die Leute hier wieder verstehen.
Der US-Immigration-Officer wartet schon auf uns. Er ist extra von Anchorage gekommen,
um uns abzufertigen. Vor dem Abflug in die USA hat jeder Captain eines Flugzeuges den USBehörden
über Internet mitzuteilen, wer oder was da in die USA kommt. Man hatte uns
vorher richtig Angst gemacht, wenn diese Meldungen nicht OK sind, wird man zurück
geschickt. Alles, nur nicht das! In Anadyr gab’s aber kein Internet, wie also die EAPISMeldung
abgeben? Ganz einfach sagt Hans, jeder ruft einen Kumpel an und der gibt diese
Meldung ab. In meinem Fall musste Dieter Keck dran glauben, der hat die halbe Nacht daran
gesessen, diese komplizierte Meldung ins EAPIS-System der US-Behörden zu geben. Vielen
Dank Dieter, ich geb mal einen aus!
Ich hab dann unseren Officer (netter Kerl, spricht fließend Deutsch, sein Vater stammt aus
Augsburg) gefragt, wie das denn so mit den EAPIS-Meldungen gelaufen sei. Er sagte, alle
Meldungen wären vorhanden, allerdings seien alle falsch, weil die Ankunftszeit sich um drei
Stunden verschoben hätte. Aber hätte schon alles mit seinem obersten Chef besprochen und es
gibt keine Probleme. Uns fällt ein Stein vom Herzen, wieder im Westen, nette Leute und ein
schönes Hotel wartet auf uns.
Als Landezeit musste ich übrigens den 22.7.2009 ins Bordbuch eintragen (Startzeit 23.), so ist
es eben, wenn man über die Datumsgrenze fliegt. Das EAPIS-System der US-Behörden kann
das nicht verarbeiten, hier haben wir als Startzeit deshalb einfach den 22. eingetragen. |
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Unter diesem Datum gib’s also wegen der Datumsgrenze noch einen kleinen Bericht. Nach
dem Frühstück in der „Dorfkneipe“ geht’s wieder zum Flugplatz. Heute ist der Flug von
Nome nach Merril Field / Anchorage angesagt. Das Wetter ist so wie es hier wohl meistens ist,
es regnet und die Wolken hängen recht tief. Also IFR-Flugplan per Telefon abgeben und los
geht’s. Nach einer Stunde Flugzeit öffnen sich die Wolken und wir können den berühmten
Yukon-River sehen. Unwillkürlich gehen mir die Geschichten von Karl May durch den Kopf,
unbeschreibliche Gefühle und Emotionen, dass man hier mit dem eigenen Flugzeug fliegen
darf.
Im Funk die typischen schnellen amerikanischen Sprechformen, bei denen man höllisch
aufpassen muss, dass man alles mitbekommt. Plötzlich eine vertraute Stimme von unserem
Engländer Rodney: MAYDAY, MAYDAY, MAYDAY, Engine off … Mir blieb fast das
Herz stehen und überprüfe sofort alle eigenen Systeme. Später hören wir über unsere Bord-
Bord-Frequenz, Peter und Rodney konnten ihr Flugzeug sicher auf einem Airstrip neben einer
Farm landen. Glück im Unglück, wäre das Triebwerk 10 Minuten später in den Bergen vor
Anchorage stehen geblieben, sie hätten es nicht überlebt. Ursächlich war übrigens schlechtes
Benzin mit Sand und Wasser. Woher das Benzin stammt, ob aus Nome oder noch aus
Russland oder ob Sabotage vorliegt, wird wohl nicht mehr zu ergründen sein. Wir haben von
Anchorage sofort einen Techniker per Flugzeug zu dieser Farm geschickt, der hat alle Filter
gereinigt und für sauberes Benzin gesorgt. Peter und Rodney sind dann sehr spät noch nach
Anchorage geflogen und haben ihren zweiten Geburtstag „nach allen Regeln der
Kunst“ gefeiert. |
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| Freetime in Anchorage. Ich nutze die Zeit, um in eine Klinik zu gehen. |
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| Damit sich hier keiner Sorgen macht: Heinrich ist mittlerweile wieder wohlbehalten in Damme (EDWC) eingetroffen. Wir warten jedoch noch auf seinen abschließenden Bericht. |